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Schreckensereignisse und die Medien

Kurz nach, bei frühem Bekanntwerden sogar während, einem tragischen Vorfall wie dem Amoklauf in Winnenden ist das Interesse der Medien und der Allgemeinbevölkerung groß; Reporter versuchen herauszufinden, was passiert und vor allem, warum es passiert ist und geben diese Informationen an ihre Zuseher / -hörer weiter. Mit steigender Dramatik des Vorfalls steigt auch das Interesse der Medien; über die Insolvenz eines namhaften Schuhherstellers werden gewöhnlich nur Wirtschaftsmagazine berichten, betrifft es das verfrühte Sterben vieler, findet jedoch jeder Berichterstatter einen Zusammenhang zu seinem Themengebiet. Das betrifft auch Boulevardblätter und Sensationsjournalisten, die im Eifer des Gefechts oft Fakten vertauschen, schlecht recherchieren oder Tatsachen dramaturgisch aufbauschen und dabei Menschen diskriminieren.

Dass das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen sich immer weiter in diese gefährliche Richtung bewegt, ist nichts Neues. Jedoch ist es zunehmend ärgerlich, dass der Bürger für immer schlechter werdendes Fernsehen direkte Abgaben leisten müssen. Kommt es nun zum Zusammentreffen dieser beiden Zustände, kommt so etwas wie die Sendung „Hart aber fair“ vom 11.03.2009 heraus. Natürlich ist der Bedarf nach Diskussionen kurz nach einer solchen Tat groß und es ist auch begrüßenswert, das hier mit Fachleuten über den Vorfall gesprochen wird.

Was aber unerklärlich ist: Wie konnte es geschehen, dass ein Video eines deutschen Rappers so komplett aus dem Zusammenhang gerissen und unvollständig gezeigt wird? Fünf Minuten vor Schluss der Sendung wird ein kurzer Ausschnitt des Videos zum Song „Amokzahltag“ des Künstlers Kaas gezeigt. Danach stehen noch knapp zweieinhalb Minuten zur Diskussion zur Verfügung. Hier regt sich der Verdacht, dass das Video keinen echten Inhalt zur Sendung beitragen soll; es soll vielmehr aufwühlen und die Leute emotional aufheizen. So ist dann auch die Reaktion des stellvertretenden Fraktionschefs der CDU verständlich, der sich über die hohe Verfügbarkeit von fragwürdigem Material im Internet aufregt und das gerade gezeigte Video dort mit einschließt.

Ich muss offen gestehen, dass ich mich schäme, dass hier mit meinen Beiträgen so unverantwortlich umgegangen wird und hoffe, dass sich hier zumindest das öffentlich-rechtliche Fernsehen endlich einmal wieder aufrafft, Qualitätssendungen und -beiträge zu bringen, statt fortlaufend Trends aus Amerika und dem Privatfernsehen wiederzukäuen und wertvolle Sendungen und Filme nicht weiter zu arbeitnehmerfeindlichen Uhrzeiten jenseits der 23 Uhr zu bringen.

Dass das Ganze auf dem Rücken eines aufstrebenden Jungkünstlers stattfinden muss, der sich momentan wahrscheinlich selbst genug Gedanken um seine Veröffentlichung macht, ist erbärmlich. Immerhin schließt die Sendung noch mit einem Schlusswort von Johannes Rau, das mehr als passend ist und das hier noch einmal wiedergegeben werden soll:

Wir sollten unsere Ratlosigkeit nicht zu überspielen versuchen mit scheinbar naheliegenden Erklärungen. Wir sollten uns eingestehen: Wir verstehen diese Tat nicht.

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