BummTschakk
Du bist voll im Trend? Wart’, ich hol dich da raus! [Sera Finale]

Intro Bright Eyes

Diese Band verfolgt mich jetzt schon seit über eineinhalb Jahren und jegliche Versuche, sie wieder loszuwerden, scheiterten kläglich. Nachdem mich zuerst nur die ruhige Gitarren-Zupferei und der spärliche Instrumenteneinsatz begeistert haben, änderte sich mein Interesse zu Faszination nach dem Studium der zu den Liedern gehörenden Lyrics.

Hält sich das bei „First Day Of My Life“, der ersten Single, die ich von dieser wunderbaren Band kennenlernte, noch in überschaubaren Liebesgeturtel-Grenzen, wird der Poesie-Sumpf, in den man bei chronologisch umgekehrter Album-Vorgehensweise stecken bleibt, von Album zu Album tiefer, bis man sich dann irgendwann nicht mehr trennen kann von herrlichen Kurzgeschichten und tieftraurigen Selbstmordversuchen. Die Grundstimmung der Lieder ist allgemein eher bedrückt, es lassen sich jedoch immer wieder positiven Gedanken aus dem Negativen herausziehen.

Treibender Mensch hinter der Band und einziges konstantes Mitglied ist Conor Oberst, der auch alle Lyrics selber verfasst hat. Ihm gelingt es von Album zu Album von neuem, geschlossene Konzepte abzuliefern, die die einzelnen Songs jedoch nicht unter dem Hauptthema einschnüren, sondern vielmehr befreien. Das Hauptthema ist von vornherein durch den Albumtitel bekannt und zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Album, macht sich aber in den einzelnen Liedern nur bei genauerem Hinsehen bemerkbar. In dieser Weise sind die Songs vollgepackt mit interpretierbaren Inhalten, die so gekonnt in Texte portiert wurden, dass sich wohl jeder in einem Teil davon wiederfinden kann.

Die Soundkulisse ist zwar auch großartig, doch zumindest für mich in allen Liedern zweitrangig. Interessanterweise hat sich Oberst zwar in letzter Zeit immer mehr verschlechtert, aber angesichts dessen, was trotz dieser Verschlechterung immer noch an Output herauskommt, sind seine Leistungen immer noch unglaublich.

Hier hat man es nicht mit Alben zu tun, die man in kürzester Zeit wieder abgehakt hat. Vielmehr brauchen sie viel Zeit, um sich entfalten zu können, wollen einem dann aber auch nicht mehr aus dem Gedächtnis heraus und man beginnt, sich immer mehr Gedanken um die Texte zu machen. Hier ist die Songmeanings-Website eine sehr gute Anlaufstelle, denn hier werden die einzelnen Texte separat diskutiert und man erfährt Sachen, die man sonst nur auf sehr umständlichen Weg herausgefunden hätte.

Wer neugierig geworden ist, kann sich probeweise das „I’m Wide Awake It’s Morning“-Album oder „Fevers & Mirrors“ besorgen, bei den anderen Alben kann man jedoch auch nur schwer einen Fehltreffer erlangen. Bloß um das in eine schwarze Hülle gefasste „Digital Ash In A Digital Urn“ sollte man als Neuling einen Bogen machen, denn es kann am wenigstens stellvertretend für den Stil der Gruppe stehen.

Auf der Label-Website von Saddle-Creek kann man über den Unterpunkt Artists => Bright Eyes sich über die MP3s sehr gut selbst ein Bild von der Band verschaffen.
Besonders herausstechend sind hierbei meiner Meinung nach die beiden Songs von „Fevers & Mirrors“ „Something Vague“ und „Haligh, Haligh, A Lie, Haligh“.

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